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Der W168 – Fall, Aufstieg und Ende
 

Irgendetwas stimmt hier nicht: Müsste nicht der Aufstieg vor dem Fall kommen? Eigentlich schon; Nicht aber beim W168, dem ersten Kleinwagen aus dem Hause Mercedes-Benz. Warum er fiel, wie sich der weitere Weg gestaltete und was sieben Jahre Produktionszeitraum am Ende brachten, soll hier näher erläutert werden.
 
Der Fall
 
Am 22.10.1997 ging eine Meldung durch die Medien. Das damals neueste Produkt von Mercedes-Benz, die A-Klasse, war beim so genannten "Elchtest" umgekippt. Dieser wurde von einer schwedischen Automobilzeitschrift drei Tage nach der Markteinführung der A-Klasse (18.10.1997) in Auftrag gegeben. Der Elchtest besteht aus einem doppelten Fahrspurwechsel (Ausweichmanöver) bei etwa 65km/h. Die A-Klasse schaukelte sich hierbei auf und landete auf dem Dach. Es wurden bei diesem Fahrversuch drei Testfahrer verletzt und mussten mit Schnittwunden ins Krankenhaus eingeliefert werden.
 
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Die umgekippte A-Klasse und ein verletzter Testfahrer beim Abtransport ins Krankenhaus

 
Mercedes-Benz reagierte sofort. Schließlich wollte man selbst nachprüfen, was sich auf sechs Millionen Testkilometern nicht ereignet hatte. Zu diesem Zweck wurde eine zehn Mann starke "Task Force" am 26.11.1997 ins Leben gerufen, die unter Leitung von PKW-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert intensiv an Problemlösungen arbeitete. Drei Tage später präsentierte Mercedes ein Video, auf dem eine A-Klasse von TÜV-Prüfern gelenkt den Elchtest mit 78km/h erfolgreich absolvierte. Doch das reichte Mercedes nicht: Man wollte alle zukünftigen und bereits ausgelieferten Fahrzeuge mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm, kurz ESP, ausliefern.
 
Am 11. November wurde zusätzlich ein Produktionsstopp verhängt, der drei Monate später aufgehoben werden sollte. Diese Zeit wurde genutzt, um die Sicherheitsdiskussion um die A-Klasse, die durch den Elchtest losgetreten worden war, endgültig zu beenden. Mitte Dezember 1997 folgten Fahrtests, die in Idiada/Spanien mit Automobilexperten und -journalisten durchgeführt wurden. Ziel war es, die Sicherheit der A-Klasse wirklich jedem aufzuzeigen und den drohenden bzw. im Gange befindlichen Imageverlust von Mercedes-Benz einzudämmen. Mit dem gleichen Ziel wurde im Januar 1998 ein Workshop mit dem Thema "Real Life Safety" durchgeführt, an dem 450 Journalisten teilnahmen. Die Wiederaufnahme der Produktion erfolgte am 26. Februar 1998, gleichzeitig mit einer Zeitungsanzeigenserie unter dem Titel: "Stark ist, wer keine Fehler macht. Stärker, wer aus seinen Fehlern lernt". Diese Aussage gilt bis heute.
 
Die Ursachen für das Umkippen sind schnell gesagt: Eine für dieses Fahrzeug falsche Bereifung (zu hohe und schwache Karkasse, daher starke Walgbewegungen, die fast ein Abrutschen des Reifens verursachten) sowie Fahrwerksschwächen (zu weiche Feder-/ Dämpferkombination, die insbesondere mit den falschen Reifen zu einem Aufschaukeln führten) und der konzeptbedingt hohe Schwerpunkt sorgten für das Debakel. Mercedes muss sich hier ankreiden lassen, in der Entwicklung und in den eigenen Tests diese Schwächen nicht erkannt zu haben. Hier im Vergleich die technischen Daten:

Techn. Daten vor und nach dem „Elchtest“ des W168

A-Klasse A 160

Ziff.
 

vorher

 

nachher

Länge

13

3575 mm

Breite

13

1719 mm

Höhe

13

1600 mm

1575 mm

Leergewicht

14

1095 kg

1115 kg

Zulässiges Gesamtgewicht

15

1480 kg

1500 kg

Zul. Achslast vorn

16

735 kg

745 kg

hinten

16

745 kg

755 kg

Größenkennzeichnung der Bereifung

20/21

22/23

175/65R15 84T

195/50R16 84H

195/50R15 82T

185/55R15 81T M+S

Bemerkungen:

 

Ziff. 13: Hoch bis 1603 je nach Ausr.

Ziff. 15+16: H.+55 B.Anh-Betrieb

Ziff. 20+21: A.Felge 5 1/2Jx26H2 ET 54 mm

Ziff. 22+23: nur Continental MO, Continental Sport Contact, Dunlop SP-Reifenwerke MO, Goodyear MO A.Felge 5 1/2Jx16H2 ET 55 mm

Ziff. 20-23: auch gen.: 195/50R16 84V Nur Pirelli P6000 A.Felge 5 1/2Jx16H2 ET 55 mm

Ziff. 13: Lang bis 3586 u. hoch bis 1600 je nach Ausr.

Ziff. 15: 1555 u. Ziff. 16: H. 810 b. Anh-Betr.

Ziff. 20+21: nur Sommerbereif. Continental, Cunlop, Goodyear, Michelin od. Pirelli A.Felge 5 1/2Jx15H2 ET 54 mm

Ziff. 22+23: nur Continental, Dunlop, Goodyear, Michelin oder Pirelli A.Felge 5 1/2Jx15H2 ET 54 mm

 
Der Aufstieg
 
Die Einführung des ESP war ein Meilenstein, gab es dieses System zur damaligen Zeit doch nur in großen und teuren Limousinen, aber in keinem Kleinwagen. Die A-Klasse war zu ihrer Zeit das fahrstabilste Fahrzeug ihrer Klasse und nötigte die Konkurrenz, vor allem VW, schnellstens ebenfalls ESP in ihre Fahrzeuge zu bringen. Heute ist dieses System schon fast Standard in jeder Fahrzeugklasse, jeder kennt es, jeder möchte es; Woran die A-Klasse nicht ganz unschuldig sein dürfte. Die Kippeleien der A-Klasse waren "mit Sicherheit" die beste Werbekampagne, die Mercedes sich wünschen konnte. Die A-Klasse hat ihren Ruf, ein sehr sicheres Auto zu sein, wiederhergestellt, ja sogar ausgebaut und erfreute sich wachsender Beliebtheit, allerdings dort, wo Mercedes sie eigentlich gar nicht erwartet und auch nicht gewünscht hatte; Ursprünglich war der Elch für eine wesentlich jüngere Zielgruppe gedacht als die Leute, die bisher Mercedes kauften (kaufen konnten). Die besser verdienenden Leute von 25 bis 40 wurden (erstmals direkt) angesprochen. Es sollte eigene Verkaufsareale für den Elch geben, mit Verkäufern in Turnschuhen und einer lässigen Atmosphäre. Eben so, wie zumindest die erste Version der A-Klasse ist: Individuell, peppig, leger, knuffig. Doch es kam anders: Viele ältere Menschen lernten die A-Klasse schnell zu schätzen. Der Sandwichboden erleichtert das Ein- und Aussteigen enorm, die erhöhe Sitzposition erlaubt eine gute Umsicht, die kompakten Ausmaße erleichtern das Einparken, und schließlich ist sie deutlich günstiger als eine C-Klasse mit vergleichbarer Ausstattung. Aber auch die avisierte Zielgruppe war und ist von der A-Klasse angetan; von den (Auf-)Preisen weniger. Jeder fand und findet an der A-Klasse "seine" Vorteile, die Genannten auf der einen Seite, die vorzügliche Variabilität und die gerade in der Langversion fast schon verschwenderische Beinfreiheit sowie die Optik auf der Anderen. Und natürlich beide Seiten kombiniert.
 
So bekam die A-Klasse eine breite Anhängerschaft, wie sie auch auf Elchfans.de zu beobachten ist. Damit dies so bleiben konnte, musste Mercedes auf die zahlreichen schlechten Kritiken in Autozeitschriften und von frustrierten Kunden reagieren, was manchmal gut, manchmal überhaupt nicht gelang. Man erkennt aber den Drang, das Auto wieder in Richtung "mercedes-typische Zielgruppe" zu rutschen, auch und gerade weil der Smart ForFour die jüngere Generation an sich binden will.
 
In den Baujahren bis März 2001, also „Pre-MoPf“, wurden die wenig hochwertigen Materialien, Klapper- und Knistergeräusche, hartes Fahrwerk, ruppiges ESP und ein allgemein recht unbefriedigender Qualitätseindruck angeführt. Das Facelift änderte schon Einiges, insbesondere das Cockpit, welches nun wesentlich ausgereifter und wertiger, aber auch im Vergleich zum Pre-MoPf-Cockpit langweiliger wirkt. Dazu kam noch eine um 17cm gestreckte Langversion, die besonders für Kleinfamilien oder Leute mit größerem Platzbedarf hinten entgegenkam. Stetig flossen neue Details in die A-Klasse ein, die den Elch mehr und mehr „mercedes“ machten; ein wirklicher Mercedes in allen Bereichen wurde er aber nie. Dabei geht es nicht um Sicherheit oder um Zuverlässigkeit, mit die Hauptattribute von Mercedes und beim Elch sehr gut bzw. gut erfüllt, sondern eher um die Verarbeitungsqualität in Form von Klappern und die Bauteiltoleranzen bzw. -auslagen. Aber all dies sind Nachteile, die durch Unwissenheit, sprich mangelnder Erfahrung und auch falscher Sparsamkeit von Mercedes verursacht wurden. Jedoch muss man sich immer wieder vorstellen, dass der Elch der erste Mercedes ist, der erstens Frontantrieb hat, zweitens für deutlich unter 20000€ erhältlich war und drittens absolut gar nichts mit den bisherigen Modellen zu tun hatte. Zudem ist der Elch ein Technologieträger sondersgleichen. Das ESP und der Sandwichboden, in dem der Motor bei einem Crash „verschwindet“ und so die Passagiere wie auch beim Seitenaufprall durch die hohe Sitzposition und der größeren Knautschzone schützt, wurden schon erwähnt. Das automatische Kupplungssystem, AKS genannt, bei dem die Kupplung hydraulisch betätigt, aber die Gänge manuell über eine H-Gasse geschaltet werden, jedoch ebenso wenig wie die damals kompakteste 5-Gang-Automatik der Welt und das überaus geniale Lamellendach. Das gerade hier oftmals Defekte auftreten, ist für den Käufer sehr ärgerlich und natürlich kein Ruhmesblatt für den Stern. Hier gibt es auch nichts schönzureden: In manchen Elchen und Elchteilen war und ist der Wurm drin; Pauschal den Elch schlecht zu reden ist aber falsch.
 
Das Ende
 
Trotz den Schwachpunkten war der Elch sehr erfolgreich. In sieben Jahren wurden 1,1 Mio. Fahrzeuge gebaut, im Frühsommer 2004 war Produktionsstopp. Die Stückzahlen sind zwar nicht auf Golf-Niveau, jedoch eine respektable Leistung, sieht man die kümmerlichen Stückzahlen des (vom Konzept her) direkten Konkurrenten Audi A2. Bis zum Schluss wurde die Serie W/V168 kontinuierlich verbessert, z.B. gab es zum Facelift (gegen Aufpreis) sogar Windowbags, 2003 wurden erstmals Spiegelblinker verbaut. Mercedes hat (hoffentlich) aus Fehlern gelernt und die Schwächen des W168 beim W169, der im Herbst 2004 in Serie gegangen ist, weitestgehend ausgemerzt. Auch hier finden wir wieder neue (soll heißen bei Mercedes erstmals verbaute) Technologien wie das CVT-Getriebe, aber auch Bewährtes und Verbessertes, wie das Sandwichkonzept und die Benzinmotoren. Man darf also gespannt sein. Der Neue ist mit Sicherheit mehr Mercedes und mehr A-Klasse als sein Vorgänger; Aber (leider?) kein individueller, peppiger, legerer und knuffiger Elch mehr.

PH (webmaster@elchfans.de)

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